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Schulsozialarbeit in Hemsbach: Brücken bauen für ein gutes Schul- und Lernklima

Konflikte, Leistungsdruck, Ärger zuhause – drei von vielen Problemen, die Schülerinnen und Schülern auf der Seele liegen und so die Lern- und Leistungsbereitschaft mindern können.

Dass im Unterricht zuvorderst Wissen vermittelt werden soll, ist unbestritten, doch ebenso sollten junge Menschen lernen, wie man mit Konflikten umgeht, einen Streit ohne Gewalt beilegt und einander respektvoll begegnet.

Fester Bestandteil moderner Bildung

Unsere Schulstrukturen haben sich geändert. Die Schule von heute ist für Kinder und Jugendliche sowohl Lern- als auch Lebensraum. Ihre Probleme legen die Schüler nicht an der Schultür ab. Die Lehrkraft als Unterstützer allein kann hier nicht immer ausreichend Hilfe leisten. Ihr fehlt oft die Zeit, auf die Lebenslagen der Schüler einzugehen. Auch machen Lehrerinnen und Lehrer häufig die Erfahrung, dass sie sich in einem Rollenkonflikt befinden, wenn sie mit ihren Schülern über persönliche Themen sprechen.

Zudem sind Lehrkräfte nicht nur Vertrauenspersonen, sondern müssen sich an Schulgesetze halten. Sie sind zum Handeln verpflichtet, indem sie Konsequenzen einfordern und sanktionieren müssen. Hier kommt die Schulsozialarbeit ins Spiel: Seit den 1990er Jahren kontinuierlich ausgebaut, ist sie heute fester Bestandteil moderner Bildung, die sich nicht nur auf die Einzelfallberatung beschränkt, sondern auch auf den Ausbau von Sozialkompetenzen und Präventionsarbeit setzt.

Vorausschauend und präventiv

Auch die Stadt Hemsbach hat relativ früh auf die sich verändernde Lernsituation vieler junger Menschen reagiert: Im Oktober 2010 wurde mit Gerhard Winkenbach, der bis dahin sehr erfolgreich das Jugendzentrum leitete, der erste Schulsozialarbeiter im Schulverband Nördliche Badische Bergstraße eingestellt. „Dabei waren wir jedoch nicht in der Zwangssituation, mit Problemen einer Brennpunktschule konfrontiert zu sein und deswegen reagieren zu müssen“, betont Bürgermeister Jürgen Kirchner, damals noch zuständig für Jugend, Öffentlichkeitsarbeit und Kultur. „Brennpunktschule“ war ein Begriff, der durch fast alle bildungspolitischen Diskussionen der letzten Jahre geisterte und inzwischen verpönt ist. Der Schulverband mit seinen Mitgliedskommunen Hemsbach, Laudenbach und Weinheim für den Stadtteil Sulzbach wollte vielmehr vorausschauend und präventiv agieren, um Kinder und Jugendliche in ihrer Persönlichkeit und ihren sozialen Kompetenzen zu stärken.

Die Stadt Hemsbach zog nach und stellte 2013 Martina Horak als Schulsozialarbeiterin für die damals noch drei Hemsbacher Grundschulen ein. Dort arbeitet sie seither in der Einzelberatung als auch präventiv in Klassen, um die sozialen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler zu stärken.

Heute drei Schulsozialarbeiter

Vorreiter in diesem Bereich war die Stadt Hemsbach übrigens schon immer. Unter anderem zielte beispielsweise auch das Langzeitprojekt „Vertragen statt Schlagen“ der Jahre 2001 bis 2006 in Kindergarten und Grundschule, das übrigens von Martina Horak mitbegleitet wurde, auf die Stärkung sozialer Kompetenzen.

Für Gerhard Winkenbach, der 2017 in Rente ging, kam Robert Wiltz, und aufgrund des steigenden Bedarfs an Präventionsarbeit und Einzelfallhilfe richtete der Schulverband 2018 eine weitere Schulsozialarbeitsstelle ein. Seit September 2018 kümmert sich Anna-Lena Walther gemeinsam mit Robert Wiltz um die Schulsozialarbeit im Schulverband an den drei weiterführenden Schulen.

Neutrale Vertrauenspersonen

Ein wichtiger Aspekt erfolgreicher Schulsozialarbeit ist, dass Schulsozialarbeiter als neutrale, vom Schulapparat unabhängige Vertrauenspersonen agieren und diesen damit sinnvoll und effektiv unterstützen können. „Wir schenken Zeit und Raum, um in einem geschützten Rahmen über Sorgen sprechen zu können“, erklärt Martina Horak. „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Schülerinnen und Schüler dank guter Beziehungsarbeit gerne zu uns kommen und sich trauen, auch schwierigere Themen anzusprechen.“ Die Schulsozialarbeit arbeitet bei Bedarf eng mit Schülern, Lehrern und Eltern zusammen. Die Unterstützung gelingt und ist gewinnbringend, wenn sich die Ratsuchenden aktiv am Prozess beteiligen.

Für friedliches Miteinander im Schulalltag

Als ausgebildete Sozialpädagogen mit entsprechenden Ausbildungen haben die drei auch eine andere Herangehensweise an die Themen, Gefühle und Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler: Sie bieten Aktivitäten an, durch die junge Menschen über das schulische Angebot hinaus ihre Fähigkeiten entfalten, Anerkennung erfahren und soziale Prozesse gestalten können. Robert Wiltz: „Wir bieten einerseits individuelle Beratungen und Einzelgespräche an, die sich an der Lebenswelt der jungen Menschen orientieren und deren ganz besonderen Ressourcen zutage fördern. Andererseits arbeiten wir auch mit kleineren Gruppen oder mit ganzen Klassen in bestimmten Unterrichtseinheiten, um den Gemeinschaftsgedanken zu stärken.“ Themenspezifische Projektarbeit, mitunter in Zusammenarbeit mit Vereinen und vielen weiteren Netzwerkpartnern, ergänzt das Spektrum.

„Gute Sozialarbeit hat immer das Ziel, dabei zu helfen, Lern- und/oder Lebensprobleme zu bewältigen – vom Leistungsdruck und ‚Sich manchmal selbst im Weg stehen‘ über Benachteiligung bis hin zu Mobbing und Ausgrenzung. Wir versuchen dann, die soziale Kompetenz des Einzelnen oder der Gruppe zu stärken und das friedliche Miteinander im Schulalltag zu fördern. So sorgen wir auch für eine bessere Konzentration im Unterricht“, sagt Anna-Lena Walther. Letzten Endes führt gute schulsozialpädagogische Arbeit so mittelbar auch zu mehr Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit.

Auch für Eltern und Lehrer da

Aber nicht nur für die „Kids“, auch für Anliegen der Eltern und Lehrer können die Schulsozialarbeiter Anlaufstelle sein, wenn es um Schwierigkeiten im pädagogischen Alltag, um Beratungsbedarf, Unterstützung bei familiären Problemen oder um Vermittlung von Hilfsangeboten geht, beispielsweise zur Medienkompetenz oder im Fall von Drogenkonsum. „Es geht nicht immer nur um den typischen ‚Störenfried‘ im Unterricht. Die Probleme im Schulalltag sind heute vielfältig und verlangen ganz verschiedene Strategien zur Bewältigung“, erläutert Wiltz. „Unser Ziel ist dabei immer, dass sich jeder, der am Schulleben beteiligt ist, wohlfühlt.“

„Brückenbauer“

Der Schulsozialarbeiter wird so zum Brückenbauer zwischen den Schülern – und zwischen Schülern, Lehrern und Eltern. Gegenseitiges Vertrauen vorausgesetzt, können Schulsozialarbeiter zusammen mit anderen Akteuren in der Schule die individuelle und soziale Entwicklung von jungen Menschen fördern und so wertvolle Unterstützer im Prozess des Erwachsenwerdens sein.

Deutlich wird, dass Schulsozialarbeit – wie der Name schon sagt – eine soziale und gesellschaftspolitische Aufgabe ist und keine, die nur mit Bildung zu tun hat. Heutzutage gehört Schulsozialarbeit eigentlich an jede Schule. Die Vorteile liegen allesamt auf der Hand: Sie sorgt für ein gutes Klassen- und Lernklima und eine wertschätzende Gesprächskultur. Zudem gibt sie Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, ihren eigenen Weg zu finden, und unterstützt sie auf der Suche nach Ausbildungsstellen oder Schulplätzen.

Dass die Corona-Pandemie die Schulsozialarbeit derzeit etwas „ausbremst“, hat bei den dreien freilich für großen Verdruss gesorgt – und ihnen auch ganz neue Themen beschert: „Die eingeschränkte Freiheit, sich zu treffen, das mehr oder weniger selbstorganisierte Lernen, das stillstehende Vereinsleben und der fehlende Kontakt zu Freunden und Verwandten bringt ganz andere Probleme mit sich als die üblichen. Das ist für uns alle eine ganz neue und besondere Herausforderung“, bestätigen Horak, Walther und Wiltz. „Aber egal, wo der Schuh drückt: Wir sind für jeden da und bieten für alle und alles ein offenes Ohr. Erst recht in diesen Zeiten.“

Kontakt:

Martina Horak
06201 – 4709569
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Anna-Lena Walther
0151 – 28055119
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Robert Wiltz
0151 – 17491955
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